Unsere GREEN:CARE-Expedition ins Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal
Gestern (20. Juni 2025) tauschten wir den gepflegten „Kurpark-Wald“ gegen echte Wildnis und stapften den ganzen Tag über Felsblöcke und querliegende Baumriesen. Alles bei Kaiserwetter – feucht war nur das T-Shirt. Wir bestaunten türkis glitzernde Gebirgsbäche und seltene Pflanzen. 20 mutige Naturliebende, davon zwei IFKO-Gesichter (Michaela & Franz) und eine Guide-Heldin namens Maria erlebten Wald pur – inklusive der Erkenntnis, dass Unachtsamkeit auf unwegsamen Passagen mitunter zu Bodenkontakt führt … gell, Franz? Hast du gewusst, dass trockenes Buchenlaub wie Seife rutscht? Zum Glück nur eine kostenlose Schrecksekunde: kleiner Kratzer, großer Erinnerungswert!
Wo waren wir da eigentlich?

Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal bewahrt mit dem Urwald Rothwald den größten erhaltenen Urwaldrest des Alpenbogens und umfasst rund 7 000 Hektar – streng geschützt als IUCN-Kategorie Ia + Ib und seit 2017 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes.
Hier gilt das Prinzip „Prozessschutz“: Natur darf Natur sein, kein Mensch greift regulierend ein – wie ein riesiger Do-it-yourself-Workshop für Ökosysteme, nur ohne Menschen und ohne To-do-Listen.
Hier noch Reste des früheren Forsts - "Fichtenstängel"...und nach einer 180-Grad-Drehung...

...die neue Wildnis - gleich vis à vis.
Maria, die Bayerin mit Klartext und Schmäh
Unsere Guide-Wissenschaftlerin – Forstwirtschaft an der BOKU, Herz im Lassingtal – navigierte uns sicher durchs Gelände. Sie hatte Verstärkung mit: Schäferhund Willi half beim Zusammenhalten der wandernden Herde.
Wie könnte man Maria beschreiben? Sicherlich ein Quäntchen süddeutsche Direktheit, vielleicht auch ein Hauch (Wiener) Schmäh aus Studienzeiten – wer weiß? Jedenfalls: klare Ansagen, warme Zwischentöne. Kompetent, authentisch, menschlich. Geistreicher Humor inkludiert.

Sie erzählte uns über das „Durch-den-Wald-Stehen“ (oder noch besser: „Sitzen“). Wer sich Zeit nimmt und lange genug lauscht, hört statt der nervigen Motorsäge endlich Stille. Wer lange genug schaut, sieht aus einem vermodernden Buchenstamm eine junge Baum-WG sprießen oder Zunderschwämme, die ihre Wuchsrichtung dem Leben anpassen. Und wer in der Gegend über Nacht bleibt, erlebt vielleicht das erste Mal seit langer Zeit, was richtige Dunkelheit ist - ganz ohne Lichtverschmutzung. Zivilisations-Detox, sozusagen. Gut für die Seele.

Das Buchenwunder - findet man in keinem Lehrbuch. Davon lernt man nichts auf der Uni. Dazu braucht es das echte Leben - die Wildnis.
Und weil Wildnis kein Wellness-Pfad ist, checkte Maria permanent unsere Trittsicherheit. (Tipp für die nächste Tour: Plaudern bitte erst, wenn der Weg wieder horizontal verläuft.)
Ihr schönster Satz des Tages: „Auch wir brauchen etwas Wildes in uns – das freie Herz, das nicht immer aufgeräumt sein muss. Das seinen eigenen Weg geht.“ Ja, so in etwa hat sie gesagt, die liebe Maria, zumindest so gemeint. Oder so ähnlich jedenfalls.
Green : Care ≠ Green Chaos – passt das zusammen?
Ja, und wie! Green Care nutzt vorzugsweise bewirtschaftete Wälder als gesundheitsfördernde Räume – aufgeräumt, beschildert, barrierearm. Wildnis dagegen tut das Gleiche für die Seele auf radikale Art: Sie zeigt uns, dass wir Gäste sind, nicht Hausherren.
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Green Care-Wald |
Wildnisgebiet |
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gepflegte Wege, Sitzbänke, gezielte Nutzung für Erholung |
kaum Eingriffe, fast 100% natürliche Dynamik |
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„Wir gestalten, damit es gut tut.“ |
„Wir lassen laufen, damit es heilt.“ |
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Stressreduktion durch Harmonie |
Demut & Staunen durch ungezähmte Vielfalt |
Beides wirkt auf Körper und Psyche – nur in unterschiedlicher Art und Dosierung. Wer sonst nur den gepflegten Kurpark-Wald kennt, erlebt hier die „Schwarz-Gurt-Variante“ der Naturtherapie.
Green Care: Gezähmt und harmonisch
Wildnis: Ursprünglich und unbändig
DU WIRST GEBRAUCHT! Große Chance - 3 000 Hektar mehr Wildnis
Aktuell besteht die Möglichkeit, das Schutzgebiet um 3000 weitere Hektar zu erweitern. Klingt nach wenig, für so ein ambitioniertes Projekt? Für Habichtskauz, Bockkäfer & Co. bedeuten dreitausend Hektar eine eigene Galaxie. Von den geschützten Pflanzen und der Fülle sonstiger außergewöhnlicher Arten gar nicht erst zu reden.

Übrigens: Der Habichtskauz braucht dringend ein Rückflugticket ins Lassingtal. Magst ihm helfen?
Auch Frau Luchs sehnt sich nach einem Partner und Nachwuchs! Dazu braucht sie mehr Platz. Wer ihr ein paar Quadratmeter kaufen möchte (kost' fast nix!), findet alle Infos auf der Website des Wildnisgebiets – und schenkt damit nicht nur Bäumen, sondern auch sich selbst ein Stück Zukunft: Lasst uns gemeinsam Raum für das Wilde schaffen! Go wild, Baby!
Nachklang
Wir kamen müde, verkratzt und selig zurück – reich an Geschichten, mit ein paar blauen Flecken und einem neuen Verständnis dafür, was echte Wildnis ist.
Danke, liebe Maria, für Klartext mit Zündfunken, Charme und sichere Führung. Und danke, liebes Dürrenstein-Lassingtal, dass du uns das alles hast durchgehen lassen. Beim nächsten Mal nehmen wir uns noch mehr Zeit – so können wir ja das mit dem Durchstehen oder gar Durchsitzen probieren, damit wir noch besser hinschauen können. Oder hinspüren.
Wäre vielleicht auch für dich was, mal an einer dieser spannenden Exkursionen teilzunehmen?
Fazit: Manchmal braucht es nur einen Tag Wildnis, um sein ungezähmtes Herz wieder schlagen zu spüren. Mit einem kleinen Augenzwinkern können wir da nur sagen: Wild Thing - you make my heart sing.
Fragen? Tipps gegen Muskelkater? Mitgliedschaft? Meldet euch!
Euer GREEN:CARE Team von IFKO
Michaela und Franz (der jetzt noch vorsichtiger über Felsen steigt)



